Dietrich Bonhoeffer, Die Bekennende Kirche und die Ökumene, August 1935, in: Werke Band 14, S. 378–399; hier: S. 382f.

"Die Bekennende Kirche bedeutet für die Ökumene insofern eine echte Frage,

als sie diese in ihrer Gesamtheit vor die Frage der Konfession stellt. Die Bekennende Kirche ist die Kirche, die in ihrer Ganzheit ausschließlich durch das Bekenntnis bestimmte Kirche sein will. Es ist grundsätzlich nicht möglich, an irgend einem Punkt mit dieser Kirche ins Gespräch zu kommen, ohne sofort die Bekenntnisfrage zu stellen. Weil die Bekennende Kirche im Kirchenkampf gelernt hat, daß von der Verkündigung des Evangeliums bis zu den Kirchensteuern das Bekenntnis und dieses allein die Kirche bestimmen muß, weil es in ihr keinen bekenntnisfreien, neutralen Raum gibt, stellt sie jeden Gesprächspartner sofort vor die Bekenntnisfrage. Es gibt keinen anderen Zugang zur Bekennenden Kirche als die Bekenntnisfrage. Es gibt keine Möglichkeit eines taktisch gemeinsamen Handelns jenseits der Bekenntnisfrage. Damit schließt sich die Bekennende Kirche gegen jeden politischen,  sozialen, humanitären Einbruch hermetisch ab. Das Bekenntnis erfüllt ihren ganzen Raum.
Zu diesem Bekenntnis, wie es in den Barmer und Dahlemer Synodalbeschlüssen bindend ausgelegt ist, gibt es nur ein Ja oder ein Nein. Also auch hier ist eine Neutralität unmöglich, auch hier bleibt eine Zustimmung an diesem oder jenem Punkt jenseits der Bekenntnisfrage ausgeschlossen. Vielmehr muß die Bekennende Kirche darauf bestehen, daß sie in jeder verantwortlichen kirchlichen Auseinandersetzung soweit ernst genommen wird, daß dieser ihr Anspruch erkannt und ihr zuerkannt wird. Sie muß ferner darauf bestehen, daß sich in jedem Gespräch mit ihr die kirchliche Solidarität darin bekundet, daß der Gesprächspartner nicht zugleich mit ihr und mit den von ihr verworfenen Kirchen der Irrlehre das Gespräch aufnimmt, ja daß auch für den ökumenischen Gesprächspartner dort das Gespräch endgültig abgebrochen ist, wo sie es in kirchlicher Verantwortung für abgebrochen erklärt.

Das ist ein unerhörter Anspruch. Aber nur so kann die Bekennende Kirche in das ökumenische Gespräch eintreten. Und das muß man wissen, um sie zu verstehen und um ihre Sprache recht zu interpretieren. Ließe die Bekennende Kirche von diesem Anspruch, so wäre der Kirchenkampf in Deutschland schon gegen sie entschieden und damit auch der Kampf um das Christentum."

 

Aufmerksam wurde ich auf diesen Text durch den Wiederabdruck in:

Späth, Andreas (Hg.): "Einst opferte Jerobeam …". Häresie – Aufstand des Zeitgeists gegen Gottes Ordnung, Ansbach 2013, S. 77f.

Außerdem verweist Rainer Mayer in einem Artikel, der unter http://www.gemeindenetzwerk.de/?p=12151 zu finden ist, auf den Text Bonhoeffers.

Bücher oder Buchbeiträge von mir (neueste zuerst)

Dieses Buch erschien im Dez. 2016. Von mir ist ein Beitrag über Luthers Bibelauslegung enthalten:
Felber, Stefan: "Hoc est in Christo ad literam factum". Realistische Schriftauslegung bei Martin Luther, in: Christ-von Wedel, Christine; Grosse, Sven (Hg.): Auslegung und Hermeneutik der Bibel in der Reformationszeit. Historia Hermeneutica. Series Studia Bd. 14, Berlin: de Gruyter 2016, S. 69–110.
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Dieses Buch ist seit 1.6.2016 als zweite Auflage verfügbar ...

... und sieht jetzt so aus:

Felber, Stefan: Kommunikative Bibelübersetzung. Eugene A. Nida und sein Modell der dynamischen Äquivalenz, Stuttgart: Deutsche Bibelgesellschaft 2013, 2. Auflage 2016, 481 S.

 


 

Cover der Druckfassung meiner Dissertation (Erlangen 1997), gedruckt 1999:

Felber, Stefan: Wilhelm Vischer als Ausleger der Heiligen Schrift. Eine Untersuchung zum Christuszeugnis des Alten Testaments, Forschungen zur systematischen und ökumenischen Theologie Bd. 89, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1999, 414 S.

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